Ursel Teubert

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Geschichten

Lara und die Ahorn-Damen
Das Märchen vom Schneckerich und der Buchendame
Das Märchen vom Zen-Mönch und der Tanne
"Immer mehr" oder "Hier und jetzt"?
Der Kaufmann und der Papagei
Der Eremit und die Maus

Lara und die Ahorn-Damen

An einem wunderschönen Frühlingstag, im Mai, spielte ein kleines Mädchen neben ihrem Lieblingsbaum, einem Fächerahorn, der gerade in roten Trauben blühte und sein orangegelbgrünes Laub austrieb. Die kleine Lara wusste, dass dies ihr Taufbaum war, und so brachte sie dem Baum mit ihrer kleinen roten Gießkanne Wasser, wenn es heiß war, und manchmal auch einen Dinkelkeks (wegen dem Wachstum).

An diesem Morgen hörte Lara eine Stimme im Ahorn sagen: "Hallo Lara, erschrick bitte nicht, ich bin eine Ahorn-Dame. Wollen wir uns unterhalten?" "Okay" sagte das Kind, "aber Bäume können nicht reden, weil sie keinen Mund haben."

"Das stimmt," meinte die Stimme, "ich aber schon." Hinter dem Ahorn trat eine junge, zierliche Frau heraus. Ihr Haar war rotorange wie die Ahornblätter im Herbst, ihr freundliches Gesicht wirkte leicht asiatisch und ihr hellgrünes Kleid hatte viele bunte Tupfen.

Nachdem Lara die Erscheinung gebührend bestaunt hatte, fragte sie: "Werbistdenndu-undwokommstduher-bistdueinefee-odersollichmeinemama -lufthol- rufen-weildueinfach-inunseremgartenrumstehst-warumhastdusokomischehaare?"

Die Erscheinung lachte laut und erklärte dann: "Ich heiße Katsura, komme aus Japan und bin ein Natur- oder Baumengel. Jedes Mal, wenn ein Kind zur Taufe einen Baum bekommt, geht ein Engel direkt aus der Kirche mit in den Garten und stellt sich hinter den Baum. Die Baumengelfamilie sieht nach dem Kind, in deinem Fall ist das meine Familie, die Ahorn-Damen. Wir mögen Menschen, manchmal zeigen wir uns und helfen ihnen, aber nur dann, wenn es erwünscht ist."

"Cool", sagte Lara, "aber wenn du ein Engel bist, warum hast du dann keine Flügel?" "Flügel stören bei der Gartenarbeit, außerdem muss ich von Federn niesen. Hättest du Lust, zusammen mit deinen Eltern einen kleinen Ausflug zu machen und uns Ahorn-Damen kennenzulernen? Komm, wir gehen sie fragen."

Nachdem Gespräch machten sich die Vier auf den Weg und traten hinter den Ahorn. Und wootsch, wie durch Zauberhand, befanden die Vier sich in Japan, in einem Fächerahornkindergarten. Die Ahornkinder leuchteten in den unterschiedlichsten Farben und Formen, es gab die unterschiedlichsten Blattarten zu bestaunen und über allem lag ein Gefühl von Harmonie und freundlicher Luftigkeit. Überall wuselten Gärtnerinnen herum, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Katsura hatten, sie umsorgten und betütelten die jungen Bäume. Man konnte sich gar nicht sattsehen an dieser Pracht.

"Wie gefällt es euch hier?" "Wunderschön!!!" rief die kleine Familie wie aus einem Mund. "So soll es auch sein." sagte Katsura." Wenn ein junges Leben in Schönheit und Harmonie aufwachsen kann, entwickelt sich daraus eine Freude und Dankbarkeit, die durch das weitere Leben trägt. Menschen, die so aufwachsen, entwickeln ein starkes, freundliches Herz, schädigen keine anderen Lebewesen, sind anderen Menschen wohlgesonnen und tragen Verantwortung. Das ist die Konsequenz der empfundenen Schönheit.

Daher, kleine Lara, wünschen wir, die Ahorn-Damen, dir eine KINDHEIT und JUGEND in SCHÖNHEIT und HARMONIE. Deinen Eltern wünschen wir die Kraft und die Umsicht, dich zu begleiten und zu erziehen. Möchtet ihr jetzt mal etwas ältere Ahorn-Damen in Kanada kennenlernen?"

In Kanada fanden die Vier sich in einem großen Wald wieder, in dem beindruckend große Bäume standen. Alles wirkte hell, luftig und freundlich und zugleich kraftvoll. Auf dem Boden konnte man das Spiel des Schattens sehen, in den Kronen hörte man das Krakeelen vieler Vögel. Es gab zwei Arten Ahorn im Wald. Eine sehr große, mit spitzen Blättern und rauer Rinde, sowie eine Art, die silberiger aussah und in der glatteren Rinde kleine Zapfhähne hatte, an denen kleine bunte Eimer hingen. Aus den Hähnen tropfte Baumsaft in die Eimer, aus dem man Zucker machte. Hinter den Bäumen traten zwei hübsche, vitale Frauen hervor, etwa in dem Alter von Laras Mutter. Sie trugen bunte Holzfällerhemden, eine hatte flammendrotes Haar, die andere sonnengelbes. "Hallo, Bon Jour, wir sind Madame Zuckerahorn und Madame Spitzahorn. Dürfen wir euch in unser Haus zu Pancakes mit frischem Ahornsirup einladen?"

Das Haus war aus Granit und dicken Ahornholzbalken gebaut, mit Schindeln gedeckt, im Inneren war es mit Ahornholz vertäfelt. Überall standen geschmackvoll und stabil verarbeitete Möbel und Musikinstrumente aus hellem, sonnigem, aber sehr festen Ahornholz. "Das ist alles aus meinem Holz geschnitzt" erklärte Frau Spitzahorn, "ich liebe es, mein Holz zu geben. Es gibt Sicherheit, es ist stark, fein und hell." Nachdem leckeren Essen erklärte Frau Zuckerahorn: "Meine Freude ist es, zu nähren und euch mit Leckereien zu verwöhnen. Sie sind sogar gesund! Kinder, das Leben soll doch Spaß machen!

Daher kleine Lara, wünschen wir, die Ahorn-Damen, dir, wenn du zu einer Frau herangewachsen bist, ein Leben in Helligkeit, in Leichtigkeit, in Anmut und selbstbestimmter Kraft. Damit kannst du alle, die du liebst und dich selbst, in Sicherheit nähren und dein Leben genießen."

Als letzte Etappe besuchten die Vier Frau Bergahorn in den Alpen. An einem Berghang stand ein alter, prächtiger Baum, ein wenig zerzaust, aber voller Kraft. Seine Wurzeln waren weit über den Hang verteilt und hielten die fruchtbare Erde fest, nicht nur das, der Baum hielt auch eine Form von Ordnung und Beständigkeit. In seinen Ästen und Wurzeln lebten gemeinsam viele Tiere und fühlten sich geborgen. Hinter dem Baum trat eine schon etwas ältere Frau hervor und begrüßte alle mit einem strahlenden Lächeln. Diese Dame erinnerte Lara etwas an ihre Oma. Oma Bergahorn hatte weißgrüne Haare und trug eine bunte Latzhose mit Intensivkaros. Sie zeigte Lara wie man mit Blättern Schiffe und interessante Dinge baut, Laras Mutter lernte Wuschelwedel zu bauen, und Laras Vater lernte, sich als Ahornnashorn zu bewegen. Alle hatten viel Spaß. Zum Abschied sagte Oma Bergahorn: "Liebe Lara, ich wünsche dir als Ahorn-Dame, dass du die Stürme deines Lebens gut verwurzelt überstehst. Ich wünsche dir, dass du in deinem Leben immer mehr an Weisheit und Tiefe gewinnst, damit du guten Rat und Wärme geben kannst. Denn so kannst du dann jüngeres Leben darin unterstützen, in Ordnung und Harmonie zu leben."

Nach Hause zurückgekehrt, verabschiedete sich Katsura von Lara und ihren Eltern. "Es war schön mit euch. Wenn ihr es wünscht, und auch nur dann, bin ich für euch da. Ihr wisst ja, hinter welchem Baum ich zu finden bin."

Wie es mit Lara und den Ahorn-Damen weiter geht, weiß ich nicht. Da jeder seine Geschichte selber schreibt, werden es bestimmt wundervolle Geschichten.


Autor: Andreas Antheos Neitz

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Das Märchen vom Schneckerich und der Buchendame

In einem Holunderbusch lebte ein Schneckerich und suchte nach dem Sinn des Lebens und einem weiblichen Gegenüber, um sich über Ersteres in Liebe auszutauschen. Beides fand er nicht, das betrübte ihn zutiefst.

Also besuchte er ein Schnecken-Zen-Seminar, ein Schnecken-Flirt-Seminar, eine Schneckenmännergesprächsrunde und machte sogar eine Reinkarnationstheraphie. Dort wurde ihm mitgeteilt, das er die Inkarnation eines verunfallten Mountainbikers wäre, der Entschleunigung lernen sollte. Mit alldem konnte der Schneckerich nichts wirklich anfangen und entschloss sich, in ein nahegelegenes Buchenwäldchen zu kriechen um dort Erleuchtung zu suchen.

Es war Frühling, ein sonniger Morgen, als er dort ankam und er sich auf einem Buchenschössling niederließ, um sich am Frühlingsgrün zu stärken. Er erstarrte vor Schreck, der arme Schneck, als er in das aufgesperrte Maul eines Fuchses sah, der auch frühstücken wollte. Zufällig (oder gibt es diesen gar nicht?) kam gerade in diesem Moment ein Tonleiterngrölender lila Waldschrat durch den Wald getrampelt.

Der Fuchs war so erschreckt, dass er sein Frühstück vergaß, drei Tage in seinem Bau blieb und danach vegane Kochbücher schrieb. Nach diesem Nahtoderlebnis gingen beim Schneckerich die Lichter an. Er roch den wundervollen Duft des Waldbodens, das zartschwere Aroma des Mooses. Er sah die Reflexionen, Sonnenstrahlen und Schatten in den nuancierten Grüntönen des Frühlingslaubs in den Buchen. Und er HÖRTE. In den Buchenkronen war ein Klang! Ein wundervolles Wispern und Raunen, ein Rascheln und Staunen, ein leises Lachen und Parlieren. Und es war WEIBLICH!

Genau in dieser Sekunde verlor der Schneckerich sein Herz an den Klang der Buchen, er war unwiderruflich verliebt! Mit der Unbeirrbarkeit aller Verliebten kroch der Schneck am Stamm einer Buche hoch, immer dem Klang entgegen. "Hallo " hörte er eine melodische Stimme, "du kitzelst mich am Stamm, was möchtest du denn?"

"Ich bin ein Schneckerich, und habe in deiner Krone eine bezaubernde Melodie gehört. Es war ein Knistern und Raunen, eine Symphonie zum Staunen, ein kokettieren und parlieren, es war unbeschreiblich Weiblich! Ich wünsche mir nichts mehr, als diese Damen kennenzulernen und ihnen meine Aufwartung zu machen! (der Schneckenflirtkurs war wohl doch nicht umsonst gewesen) Bist du vielleicht auch eine wunderschöne Dame?"

"Ja, ich bin eine Buchin. Nenn mich Sylva. Ich als Frau liebe es, gesehen und bewundert zu werden. Du bist der erste Mann, der so mit mir redet. Aber ich kenne auch nur Förster, und die reden immer nur über meinen Körper. An sich stehe ich ja nicht so auf kleine Männer, aber du hast Mumm und Esprit. Also komm hoch in meine Krone und dann schau mir in die Augen, Kleiner!"

Das ließ sich der Schneckerich nicht zweimal sagen und war nach zwei Tagen in der Krone angekommen, er wurde danach nicht mehr gesehen. Was aus den Beiden geworden ist, weiß ich nicht, aber im Herbst sahen die Buchennüsschen aus wie Schneckenhäuschen.

Was ich genau weiß, ist: Wenn du durch den Buchenwald gehst und hörst einen märchenhaften Klang, ein Wispern und Raunen, ein Lachen, ein Geraschel zum Staunen, dann mache dein Herz auf und hör zu. Auch dir wird Wundervolles geschehen.


Dieses Märchen stammt von Andreas Neitz, der in seinem Wirken als Natur- und Landschaftsführer solche und andere Geschichten erfährt und aufschreibt:
Schon gesehen? Schon gelesen? Mehr Infos: www.baumheilkunde.info

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Das Märchen vom Zen-Mönch und der Tanne

Vor langer Zeit, im alten Japan, war ein junger Zen-Mönch auf dem Weg in die Berge, um dort sein neues Amt als Abt anzutreten. Dieser noch recht junge Mann hatte einen klaren Geist, ein starkes, mitfühlendes Herz und einen Verstand, der scharf wie ein Samurai Schwert war. Damit gewann der Mönch fast jedes Argumentationsduell unter den unterschiedlichen Zen Linien. Er hatte mehrere bestätigte Satoris (Erleutungserlebnisse), seitdem hatte er eine tiefe Sehnsucht nach dem kompakten Frieden und der uferlosen Freude, die er in einem prall gefülltem „Nichts“ gefühlt hatte. Er bekam die „Übertragung“, die Lehrberechtigung seiner Zen Linie, und er brannte darauf, zu lehren, durch Meditation in die Erleuchtung zu kommen.

Zen Mönche halten nichts von weichen Mediationskissen, aber viel von Askese und trinken zuerst selber den kalten Tee der Selbstzucht, die sie lehren. So saßen sie wie integre Felsen in eiskalter Brandung, sich in Versenkung übend. Zu dieser Zeit gab es Debatten darüber, ob Frauen den Härten des Zen gewachsen wären und ob Frauen überhaupt erleuchtbar wären. Interessanterweise wurde die Debatte von Männern geführt, die oft schon Jahrzehnte lang Frauen nur vom Hörensagen kannten. Jedenfalls kam man (Mönch) zu dem Konsens, das Weiblichkeit irgendwie gefährlich für den Normalmönch wäre, und somit weder zu beachten, noch zu berühren sei.

Der junge Mönch machte Rast an einer Quelle und wollte sich gerade an eine alte, prächtige Tanne lehnen, als er eine Stimme hörte: „Überleg dir gut, ob du dich an mich lehnen möchtest. Ich respektiere dich und möchte dich nicht in Turbulenzen bringen.“ „Öhm, äh, Ja, Wieso?“ „Na weil ich eine Dame bin. Ihr Mönche habt ja ein besonderes Verhältnis zu Frauen. Warum glaubt ihr, das der Kontakt mit uns Frauen eure Erleuchtung behindern könnte??“

„Nun, öhm ächz ja, öhm…..“ Der junge Mönch war es gewohnt, seine klaren Argumente punktgenau an den Mann zu bringen. Aber eben nur an den Mann.

„Ich hatte mich auf eine intensive, eloquente Debatte auf hohem philosophischem Niveau gefreut. Aber so wird das nichts. Also schau mich an und beantworte meine Frage.“ meinte die Tanne mit leicht gereiztem Unterton.

Der Mönch dachte sich: „Das ist bestimmt ein weiblicher Kami (Geist), ich werde mich keinesfalls auf ein Gespräch einlassen, denn Worte sind trügerische Vehikel, die die Wahrheit verdrehen!“

„Was soll DAS denn heißen?“ keifte die Tanne, „hast du noch nicht bemerkt, das wir kein Wort gesprochen haben, sondern telepathieren? Wie soll ich da lügen oder verdrehen? Schau mich endlich an, dann gib mir Antwort!!!“

Der Mönch schaute und erschauderte. Er sah Strukturen in einer Anmut, Schönheit und Ordnung wie er sie noch nie gesehen hatte. Er fühlte ein Gefühl, dass ihm vertraut war, er fühlte Frieden und eine ganz neue, wundervolle Freude. „Bitte gib mir die Gelegenheit zur Sammlung. Ich bin überwältigt und verwirrt. Dann werde ich antworten. Danke!“ Er ging in eine tiefe Meditation, so tief wie niemals zuvor. Als er zurückkam, war der Mönch klar, absolut entschlossen in seiner Antwort.

Er ging wortlos auf die Tanne zu, umarmte und küsste sie einfach nur mit der ganzen Liebe seines Herzens.

„Danke! Das war die Antwort eines wahren Zen Meisters! Ich bin eine Fürstin der Tannen, ein individualisierter weiblicher Aspekt. Ich repräsentiere immergrüne Liebe, ewiges Licht und die Geburt von neuen Strukturen. Immer wenn der Wind durch meine Nadeln streift, werde ich von nun an in Liebe an dich denken. Du wirst mich fühlen. Gehe jetzt hin, mein Geliebter, erfülle dein Mönchsgelübde, leuchte und wärme!“

In diesem Moment wurde der Mönch so tief erleuchtet, dass er direkt in die Buddaschaft glitt.

Der Mönch wurde von da an nur noch „der küssende Abt“ genannt. Jeder Frau, die dem Abt begegnete, küsste er die Hand, um dann noch etwas mit ihr zu plaudern. Kinder bespaßte und segnete er. Den Männern war er Freund und Ratgeber. All die intellektuellen Attitüden, all die asketische Härte hatte der Abt vergessen, er lehrte nun Zen mit dem Herz. Das Kloster, dem er vorstand, blühte und gedieh, es wurde eine Perle der freudvollen Gelehrsamkeit und liebevollen Disziplin. Der Abt sorgte gut für seine Schutzbefohlenen, diese hatten es beinahe warm im Dojo, aber eben nur beinahe, ein bisschen Tradition muss sein. Er öffnete die Tore auch für Schülerinnen, deren Weisheit und Heilkunst noch heute in Japan Legende sind.

Als er starb, hochbetagt und hochzufrieden, galten seine letzten Herzschläge der Tanne, die er liebte. Auch die Tanne starb in diesem Moment mit dem Mönch, den sie liebte. Noch vierzig Tage konnte man zwei leuchtende Gestalten sehen, die Hand in Hand über die Berge schwebten. Dann flogen sie in die Sterne, ihre Funken sanken glitzernd auf das Land.


Autor: Andreas Antheos Neitz

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"Immer mehr" oder "Hier und jetzt"?

Es war einmal ein Fischer, der neben seinem Fischerboot seine Siesta hielt. Er schaute aufs tiefblaue Meer, hörte dem leisen Rauschen der Wellen zu und schlief dann friedlich im schützenden Schatten seines Bootes ein.

Nach einiger Zeit kam in der heißen Mittagszeit ein Tourist vorbei, bewaffnet mit einer Kamera, und bestaunte den Fischer. Er zückte seine Kamera und begann, den Fischer von allen Seiten zu fotografieren. Von dem Klicken der Kamera wachte der Fischer auf und öffnete langsam seine Augen, um zu sehen, wer ihn denn bei seiner wohlverdienten Siesta störte. Als er den Touristen erblickte, bot er ihm eine Zigarette an und fragte ihn mit einem Lächeln, warum er ihn denn so oft fotografiert habe.

Der Tourist antwortete: "Ich habe mich gefragt, woher Sie die Ruhe nehmen, sich mitten am Tag hier auszuruhen. Warum fahren Sie nicht hinaus, um Fische zu fangen? Sie müssen doch auch Geld verdienen, um ihre Familie zu ernähren!" Der Fischer zuckte nur mit den Schultern und antwortete: "Ich bin heute morgen schon hinausgefahren und habe einen guten Fang gemacht."

Doch der Tourist ließ nicht locker: "Aber wenn ich Sie wäre, dann würde ich noch einmal raus fahren. Sie könnten dann noch mehr Fische fangen und diese vielleicht für schlechtere Zeiten einfrieren..."

Der Fischer lächelte noch einmal, und bevor er antworten konnte, fuhr der Tourist fort: "Stellen Sie sich doch einmal vor: Wenn Sie öfter am Tag raus fahren würden, könnten Sie die ganzen Fische, die Sie fangen, verkaufen und sich schon bald ein zweites Fischerboot zulegen. Und die Fische, die Sie dann mit beiden Fischerbooten fangen, könnten Sie wieder für gutes Geld verkaufen. Auf das zweite Boot würden ein drittes, ein viertes und noch viele mehr folgen. Auf diese Weise könnten Sie dann schon bald eine ganze Fischerflotte aufs Meer schicken. Und in ein bis zwei Jahren, wenn Ihnen dann vielleicht alle Boote hier auf der Insel gehören, kaufen Sie sich einen Hubschrauber und kontrollieren dann nur noch Ihre Fischerboote, die auf dem Meer die Arbeit für Sie erledigen. So bräuchten Sie bald fast gar nicht mehr zu arbeiten und könnten sich ausruhen und Ihr Leben genießen..."

Der Fischer hob seine Augenbrauen, lächelte und antwortete gelassen: "Aber das tue ich doch jetzt schon..."

Wie sieht Dein Leben aus? Lebst Du Dein Leben diesem Moment?
Oder planst, arbeitest und rotierst Du ständig für etwas, das Du später irgendwann einmal tun möchtest?

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Der Kaufmann und der Papagei

Ein orientalischer Kaufmann besaß einen Papagei.

Eines Tages stieß der Vogel eine Ölflasche um. Der Kaufmann geriet in Zorn und schlug den Papagei mit einem Prügel auf den Hinterkopf. Seit dieser Zeit konnte der Papagei, der sich vorher sehr intelligent gezeigt hatte, nicht mehr sprechen. Er verlor die Federn auf dem Schädel und wurde bald ein Kahlkopf.

Eines Tages, als er auf dem Regal im Geschäft seines Herrn saß, betrat ein glatzköpfiger Kunde den Laden. Sein Anblick versetzte den Papagei in höchste Erregung. Flügelschlagend sprang er umher, krächzte und fand schließlich zur Überraschung aller seine Sprache wieder:

"Hast du auch die Ölflasche heruntergeworfen und einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen, so dass du nun auch keine Haare mehr hast?"

Mowlana

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Der Eremit und die Maus

Ein Eremit saß meditierend in der Einsamkeit.

Da huschte eine Maus herein und knabberte an seiner Sandale. Verärgert öffnete der Eremit die Augen: "Warum störst du meine Meditation!" "Weil ich Hunger habe", sagte die Maus: "Geh weg, du dumme Maus", sagte der Eremit, "Ich suche gerade die Einheit mit Gott, wie kannst du mich dabei stören!"

"Wie willst du eins werden mit Gott", sagte die Maus, "Wenn du nicht einmal einig wirst mit mir?".
 

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Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin.
Geistige Heilung ist keine Arbeit im ärztlichen Sinne, sondern ein spiritueller Vorgang. Geistiges Heilen dient der Aktivierung der Selbstheilungskräfte und ersetzt weder Diagnose noch Behandlung durch einen Arzt. Ich gebe keine Heilversprechen.