Bereits seit mehreren Jahren beantworte ich Fragen zum Themenkreis Psychologie und Erziehung für die Leser der Leine-Zeitung. Hier können Sie einige Fragen und Antworten nachlesen:


Dieses Thema taucht heut zu Tage immer häufiger auf. Ich denke, dass es enorm wichtig ist, Ihren Sohn darin zu unterstützen, dass er ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt. Je stärker er in sich ist, um so unwichtiger werden diese Äußerlichkeiten. Es ist wichtig unseren Kindern zu vermitteln, dass die wirklichen Werte andere sind, als modisch auf dem aktuellsten Stand zu sein.

Zudem ist es aus meiner Sicht ebenso wichtig den Wert des Geldes zu erlernen, z.B. könnte er den Differenzbetrag, der zwischen einer Markenhose und einer No-Name-Hose liegt, von seinem Taschengeld dazu geben. Häufig relativieren sich drängende Wünsche, wenn die Kinder selbst erfahren, wie lange sie z.B. auf etwas sparen müssen.

Ich denke, dass ein Großteil unserer Kinder und Jugendlichen in einem materiellen Wohlstand leben, in dem sie sehr schnell alle ihre Wünsche erfüllt bekommen. Viele Kinder kennen es nicht mehr, auf etwas zu warten, zu sparen oder auch, dass es Wünsche gibt, die gar nicht erfüllt werden. Jedoch ist auch das ein Teil unserer Realität. Je früher sie damit umzugehen lernen, um so einfacher haben sie es in ihrem weiteren Leben und um so weniger besteht die Gefahr, dass sie ihre Zufriedenheit und Freude von materiellen Dingen abhängig machen oder sich gar verschulden.

Sprechen Sie mit ihrem Sohn über das, was Freundschaften wirklich ausmacht, hören sie genau zu, wo seine eigentlichen Ängste sitzen, unterstützen Sie ihn darin ein selbstbewusstes Kind zu sein, dass sich geliebt, ernst genommen und wertvoll fühlt.

Wir haben in der Regel in unserer Kindheit erfahren, dass es gut und richtig ist, sich um das Wohl der anderen zu kümmern. Frauen wurden oftmals dahingehend erzogen, dass sie sich für den Haushalt, die Kinder, die Bedürfnisse des Mannes, die Arbeit u.a. verantwortlich fühlen. Als moralisch gut wurde uns beigebracht, dass wir uns mit unseren eigenen Bedürfnissen an die letzte Stelle stellen. Alles andere wurde als egoistisch bewertet.

Diese Denk- und Lebensweise ist aus meiner Sicht sehr ungesund.

Jeder Mensch ist zunächst einmal für sich selbst verantwortlich. Das heißt, dass ein jeder von uns aufgefordert ist zu schauen, was er braucht um gesund zu bleiben oder zu werden und was die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Träume sind. Jeder Mensch ist auf dieser Erde, um sich selbst kennen zu lernen, zu erfahren was er benötigt, um sagen zu können: "Ich lebe mein eigenes Leben. Nicht das Leben meiner Eltern, Freunde oder Nachbarn, sondern meines."

Übernehmen Menschen die Eigenverantwortung für ihr Leben, hat das zur Folge, dass die Erwartungen an unsere Umwelt, d.h. Partner, Eltern, Freunde, Arbeitgeber u.s.w. sinkt, weil der Mensch begreift, ich bin für mich und mein Wohlbefinden selbst zuständig und kein anderer auf dieser Welt.

Mit dieser Lebensweise begegnen sich dann nicht mehr Bedürftige bzw. Menschen, die sich als Opfer dieser Gesellschaft empfinden, sondern Menschen, die liebevoll und achtsam mit sich selbst umgehen. Unter dieser Voraussetzung, kann ich dann auch gut geben. Geben ist etwas Wunderbares. Es geht nicht darum, einen fiesen Egotrip zu leben. Jedoch gebe ich unter der Voraussetzung, wenn ich selbst gut für mich sorge, aus einer vollen Batterie heraus und nicht aus einer leer gelutschten.

Um gut für mich zu sorgen, gehört neben einem "Ja" natürlich auch ein "Nein". "Nein" ist nicht schlechter als "Ja". Ein "Nein" ist genauso wichtig wie ein "Ja".

Es ist nicht entscheidend, was Ihre Umwelt über sie denkt. Viel entscheidender ist, was Sie selbst über sich denken. Achten Sie auf sich, gehen Sie liebevoll und achtsam mit sich um, seien Sie sich selbst Ihre beste Freundin und hören Sie auf Ihr Herz.

Ihr Hund ist für Sie und sicherlich auch für Ihre Kinder, so wie Sie die Situation schildern, ein liebes Familienmitglied. Ich denke, dass es ganz wichtig ist, Ihren Kindern zu vermitteln, dass Sie Ihren Hund weggeben, damit er es weiterhin gut hat. Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, was Sie beruflich vor haben und was der Familienhund an Zuwendung und Zeit benötigt. Sprechen Sie auch darüber, wo und wie der Hund in Zukunft leben wird. Vielleicht ist es möglich, dass Ihre Kinder Kontakt mit Ihrer Bekannten haben und immer mal wieder erfahren was der Hund macht und wie es ihm geht.

Es wird wahrscheinlich für jeden aus Ihrer Familie ein trauriger Abschied werden. Traurigkeit darf sein und Tränen dürfen fließen, denn Ihr Hund ist Ihnen allen lieb und wichtig. Sprechen Sie über Ihre Gefühle: Das kann den Kindern Mut machen, über ihre eigenen zu sprechen und sie erfahren dabei, dass Ihnen diese Entscheidung ebenfalls nicht leicht fällt.

Ich empfehle Ihnen erst zu einem späteren Zeitpunkt über ein anderes Haustier nach zu denken. Ihr Hund ist nicht einfach mit einem anderen Tier zu ersetzen. Das sollten Sie auch nicht vermitteln. Es ist viel wichtiger und ehrlicher, auch den Verlust und die Trauer zu fühlen.

Vielleicht entwickelt sich irgendwann das Bedürfnis nach einem anderen Tier. Das wäre dann der richtige Zeitpunkt, sich damit auseinander zu setzen. Das Tier sollte jedoch nicht als Trostpflaster dienen. Sonnst könnte bei Ihren Kindern der Eindruck entstehen, dass der Hund gar nicht so wichtig war und ganz schnell durch irgend etwas anderes zu ersetzen ist.

Haben Sie keine Angst vor den Gefühlen Ihrer Kinder. Die Traurigkeit über den Verlust eines geliebten Familienmitgliedes gehört zum Leben dazu. Erlauben Sie Ihren Kindern und sich selbst diese Gefühle.

Ängste und Gefühle, die Sie beschreiben, sind sicherlich sehr stark. Zur großen Verunsicherung trägt wahrscheinlich bei, dass die Panikzustände so plötzlich und unerwartet aufgetreten sind und es kein aktuelles Erlebnis gab, dass Ihnen diese starken Gefühle erklärt.

Ott treten Angst und Panik in Situationen auf in denen Veränderungen anstehen - wie beispielsweise Arbeitsplatzwechsel, Schwangerschaft, Unfall, Trennung, Tod oder auch die Geburt eines Menschen. Die Veränderung kann tiefer liegende Ängste und Beklemmungen hervorrufen. Zumeist lauern diese über Jahre oder sogar Jahrzehnte im Unbewussten.

Eines Tages braucht dann nur noch eine Kleinigkeit hinzuzukommen und dann sind die emotionalen Grenzen erreicht und der Mensch reagiert mit Angst und Panik. Dann ist es höchste Zeit zu erkennen, dass wir unverarbeitete Erlebnisse und Erfahrungen und eine unverarbeitete Übersensibilität mit uns herumschleppen. Häufig haben wir bereits von Kindheit an zu viel Verantwortung übernommen oder uns wurde diese übertragen. Es besteht ein großer Unterschied dazwischen, wofür wir uns verantwortlich fühlen und wofür wir wirklich verantwortlich sind. Symptome von Angst und Panik zeigen an, dass das Verantwortungsgefühl, das wir bislang hatten, nicht gut für uns ist. Ich empfehle Ihnen, an dem Thema zu arbeiten, vielleicht mit professioneller Unterstützung. Meiden Sie keineswegs Situationen, in denen Sie Panik spüren. Nur so erfahren Sie, dass Sie die Situation meistern. Zudem hat die Panik in der Regel nichts mit der Situation, in der sie auftritt, zu tun.

Entwicklung, die Sie beschreiben, kann auf eine Magersucht hinweisen. Häufig steht am Anfang dieser Krankheit eine große Angst vor Fettleibigkeit und eine damit verbundene Diät. Ein magersüchtiger Mensch leidet unter einer verzerrten Selbstwahrnehmung und hat ein großes Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung. Er hat einen starken Minderwertigkeitskomplex und fühlt sich ungeliebt. Oft sind Magersüchtige Perfektionisten, die einen sehr hohen Leistungsanspruch an sich stellen und große Angst haben, zu versagen. Wegen des Gefühls, keinen Wert zu besitzen, besteht ein verzweifeltes Bedürfnis nach Liebe. Magersüchtige sind jedoch nicht fähig, Zuneigung anzunehmen, weil sie nicht glauben und spüren, dass sie geliebt werden.

Weil sie kein Selbstwertgefühl besitzen, gönnen sich Erkrankte das Essen nicht, das sinnbildlich für Liebe und Fürsorge steht. Magersüchtige spüren sich häufig gegen ihre Mutter, die die eigene weibliche Seite und das Frausein symbolisiert. Häufig leiden Eltern in dieser Situation unter Schuldgefühlen. Selbstvorwürfe und Angst führen aber zu nichts. Sie hindern Eltern daran, dem Kind zu helfen und führen oft zu kontrollierendem Verhalten - ein Teufelskreis. Sie müssen nicht alles über die Krankheit wissen, auch Sie müssen dazulernen. Unterstützung finden Sie in Selbsthilfegruppen oder therapeutischen Praxen und Beratungsstellen. Ein liebevoller Umgang mit Ihrer Tochter ist entscheidend. Offene, nach Möglichkeit keine wertenden, Gespräche sind hilfreich. Prüfen Sie, ob Ihre Tochter sehr leidet und suchen Sie gemeinsam mit ihr nach Lösungsmöglichkeiten.

Sie beschreiben eine Situation, in der Sie und Ihr Mann sicherlich sehr angespannt sind. Arbeit, Haus bauen, Haushalt, Kinder und auch noch die eigenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, stellt eine große Herausforderung dar. Schön, dass Sie dabei viel Unterstützung durch Ihre E1tern erfahren. So wie Sie Termine für Ihre Arbeit und andere wichtige Dinge einplanen, sollten Sie auch Zeiten festlegen, die allein für Sie und Ihre Familie bestimmt sind. Am besten tragen Sie sie genauso im Kalender ein, wie Sie das sicherlich mit anderen Terminen handhaben.

Schauen Sie, dass Sie nach Möglichkeit eine gemeinsame Mahlzeit am Tag haben. Planen Sie trotz des ganzen Stresses Familienabende oder -nachmittage ein. Diese müssen nicht mit Kosten verbunden sein: Spieleabende, ein Abendessen als Picknick am See, gemeinsames Kochen, sich Zeit für Familiengespräche nehmen und Ähnliches. Setzen Sie Prioritäten. So manches, von dem wir meinen, es müsste sein, ist gar nicht so wichtig. Wir setzen uns selbst häufig unter einen viel zu starken Druck.

Alles, was sich gut entwickeln soll, benötigt unsere Aufmerksamkeit, auch unsere Kinder und unser eigenes Bedürfnis nach Erholung. Ein Spaziergang kann bereits Wunder wirken und neue Kräfte freisetzen. Gönnen Sie sich und Ihrer Familie Auszeiten. Wenn wir uns diese nicht ermöglichen, setzt unser Körper irgendwann deutliche Signale zum Beispiel in Form einer Krankheit, die uns zur Ruhe zwingt. Warum erst krank werden, wenn wir uns auf viel angenehmere Weise Auszeiten ermöglichen können?

Das Eintreten in den Ruhestand ist eine weitere Phase im Leben eines Menschen und zieht auch für den Partner und die Familie eine Umstellung nach sich. Wie diese neue Phase erlebt wird, hängt ganz entscheidend davon ab, ob Menschen sich wahrend des aktiven Arbeitslebens auch in ihrem privaten Umfeld etwas aufgebaut haben: Hobbys, einen Freundeskreis oder gemeinsame Interessen, die das Paar verbindet.

Häufig ist dies leider nicht der Fall, und der Ruheständler empfindet zunächst eine gewisse Leere. Auf einmal steht ihm sehr viel freie Zeit zur Verfügung - Zeit, die nicht strukturiert ist wie im Arbeitsleben. Es fehlt möglicherweise ein ritueller Tagesablauf: es fehlen Aufgaben - und leider häufig auch die Freude an der neu gewonnenen Freizeit. Ihre Frage deutet darauf hin, dass Sie sich mit Ihrem Mann im Laufe Ihrer Ehe auseinandergelebt haben, jedoch den Wunsch verspüren, wieder zueinander zu finden.

Sie können beide gemeinsam die neue Lebenssituation als Chance nutzen, neben Ihrer Eigenständigkeit auch Gemeinsamkeiten zu entdecken. Sprechen Sie offen mit Ihrem Mann über Ihre Gedanken, Sorgen und Bedenken - und auch dann lieber, wie Sie beide die neue Lebensphase beginnen möchten. Gibt es Traume und Wünsche, die Sie und Ihr Mann wegen der Berufstätigkeit und des damit verbundenen Zeitmangels zurückgestellt haben? Herrscht in Ihrer Beziehungbereits seit Langerem der Zustand von Sprachlosigkeit, dann empfehle ich Ihnen, sich Hilfe bei einer Eheberatung zu holen. Beginnen Sie heute, jeder Tag birgt neue Chancen und viel Freude.

Ihre große Tochter erlebt neben der Freude über die Geburt ihrer Schwester auch sehr große Unsicherheiten. Bisher war sie die einzige, der ihre ganze Aufmerksamkeit galt. jetzt erlebt sie, wieviel Zuwendung ein Baby benötigt und von den Eltern auch bekommt. Das kann Ängste und eifersüchtige Gefühle in Ihrer Tochter auslösen. Es kann sein, dass sie sich fragt: "Haben Papa und Mama mich noch genauso lieb wie vor der Geburt?" Oder sie denkt sich: "Bestimmt haben die mich nicht mehr so lieb, denn sie kümmern sich so viel um meine Schwester." Sie erlebt, auf welche Weise sich das Baby verhält, um Zuwendung zu bekommen. Sie verhalt sich ebenso und denkt sich, dass ihr so die Zuwendung ihrer Eltern sicher sein kann.

Es ist verständlich, dass Ihnen das Verhalten Ihrer großen Tochter inzwischen auf die Nerven geht. Vielleicht wird es leichter für Sie, wenn Sie wissen, dass Ihre Tochter aus Unsicherheit, aus einer kindlichen Not heraus reagiert und nicht, weil sie Sie ärgern will. Zeigen Sie Ihrer Tochter Vorteile auf die sie hat, weil sie älter und größer ist als ihre Schwester. Richten Sie Zeiten ein, in denen Mama oder Papa ganz allein mit ihr etwas unternehmen, sodass sie auch Phasen der ungeteilten Aufmerksamkeit erfährt.

Thematisieren Sie nicht ihr Fehlverhalten, sondern benennen Sie lieber, was sie an ihr schätzen und lieben. Es gibt wunderbare Bilderbücher zu dieser Thematik. Lesen Sie diese mit Ihrer Tochter gemeinsam. Sie wird die Gelegenheit nutzen und dabei über ihre eigenen Gedanken und Gefühle sprechen.

Ursprünglich sollte Kleidung den Menschen vor Regen, Wind, Sonne und Frost schützen. Heutzutage bedeutet sie viel mehr. Es geht nicht nur um Wohlfühlen und Gesundheit. Mode ist auch ein Ausdruck des Einzelnen und der Gesellschaft. Schon Jugendliche sehen Kleidung als Statussymbol. Warum ist es ihnen so wichtig, eine bestimmte Marke zu tragen?

Aus meiner Erfahrung in der Familientherapie weiß ich, dass oft mangelndes Selbstwertgefühl der Jugendlichen zu diesem Verhalten führt. Wenn es Eltern und Umgebung nur um Leistung geht und sie den Jugendlichen nicht als Person wahrnehmen, leidet sein Selbstbewusstsein. Der Betroffene benutzt moderne Markenklamotten, um es aufzuwerten. Ich rate Eltern, das Selbstbewusstsein des Kindes zu stärken, indem sie nicht nur über dessen Leistungen sprechen, sondern es selbst mit seinen innere Werten wahrnehmen. Auch das Bedürfnis nach Markenklamotten sollte Thema werden. Über unsere Gesellschaft sagt es eine Menge aus, dass es eine hohe Priorität hat, eine bestimmte Firmenmarke gut sichtbar mit sich herumzutragen.

Vielfach sind es die Erwachsenen, die durch Herstellung und Kauf von Markenartikeln den Jugendlichen vorleben, das bestimmte Kleidung wichtig ist. Und die Modehersteller können gewiss sein, dass eine Vielzahl der Erwachsenen ebenfalls gern als Reklamesäule kostenlos für ihre Markenzeichen Werbetouren drehen. Es gibt durchaus Situationen, in denen angemessene Kleidung wichtig ist, zum Beispiel im Bewerbungsgespräch. Dort stimmt der Spruch "Kleider machen Leute." Allerdings müssen es auch dort keine Markenanzüge sein.

Alkohol wird nicht nur auf Partys konsumiert. Häufig zeigen sich schüchterne, unauffällige Kinder als suchtgefährdet. Das Selbstwertgefühl spielt eine große Rolle. Eltern mindern die Gefahr, wenn sie früh und offen den Umgang mit Alkohol thematisieren. Wir entscheiden selbst, ob wir Alkohol zum Gift machen oder als Genussmittel nutzen. Da passt ins Bild, dass Kinder alkoholkranker Eltern leichter in eine Sucht rutschen können. Sie erleben das Trinken als Alltagserscheinung und vermeintliche Problemlösung.

Auch andere Verhaltensmuster verharmlosen den Alkohol: Wenn Eltern auf einer Feier oder im Restaurant trinken und danach Auto fahren, ist das ein falsches Signal an die Kinder. Hilfreich ist, dem Nachwuchs Grenzen und Auswirkungen von Alkoholkonsum klar und konsequent aufzuzeigen. Jugendliche empfinden den ersten Rausch oft als ein Ritual des Erwachsenwerdens. Seien Sie behutsam, aber entgegnen Sie konsequent jeder Form der Gewöhnung. Dazu gehört, dass ein Teenager keine Strafpredigt zu hören bekommt, wenn er mal zu viel getrunken hat: Versuchen Sie herauszufinden, was auf der Party abgelaufen ist, warum Ihr Kind getrunken hat. Schuldzuweisungen sind nicht hilfreich. Der Freundeskreis kann eine Rolle spielen, das Gespräch mit anderen Eltern hilft Ihnen vielleicht, Aufschluss über die Trinkgewohnheiten der Clique zu bekommen.

Symptome für ein suchtähnliches Problem können schlechte Schulergebnisse sein und ein auffälliges Rückzugsverhalten. Haben Eltern Hinweise auf regelmäßigen Alkoholkonsum ihres Sprösslings, können sie sich an einen Schulpsychologen oder Suchtexperten wenden. Ist ein Gespräch mit dem Kind von Abwehr und gegenseitigen Vorwürfen geprägt, ist es hilfreich, wenn Eltern neutrale Hilfsangebote nennen, etwa Vertrauenslehrer oder Therapeuten. Das Symptom Alkoholismus weist auf ungelöste Probleme hin. Alkohol dient der Flucht davor. Mut und Bereitschaft zur Offenheit vorausgesetzt, sind diese Probleme lösbar.

Auch ganz kleine Kinder haben feine Antennen und spüren, wenn es ihren Eltern nicht gut geht. Damit kann die Ordnung in der kindlichen Welt in Unordnung geraten. Häufig ist es unfassbar für Kinder, dass sich die Eltern streiten, Probleme haben, mit einer Situation nicht zurechtkommen. Entscheidend für das Erleben der Eltern-Ehe-Krise ist dabei natürlich das Alter des Kindes, und damit verbunden wie Eltern mit ihren Kindern in dieser Situation umgehen.

Altersentsprechend können Eltern die Fragen der Kinder zu der Situation beantworten und Gespräche führen. Wichtig ist hierbei, das Kind nicht mit Details zu überfordern und trotz der Probleme mit dem Partner, wertschätzend über diesen zu sprechen. Kinder beziehen sehr viel auf sich selbst. Es ist wichtig dem Kind zu vermitteln, dass die Krise nichts mit ihm zu tun hat. Streitgespräche und detaillierte Auseinandersetzungen sind nichts für die Ohren des Kindes, egal welchen Alters. Das stellt immer eine Belastung dar. Ebenso sollten keine Drohungen wie zum Beispiel "Ich trenne mich von Dir, ich lasse mich scheiden", ob sie ernst gemeint sind oder nicht, vor dem Kind ausgesprochen werden. Dies kann Irritationen und Ängste hervorrufen und stellt das Kind vor eine unlösbare Aufgabe.

Das Kind oder der Jugendliche sollte nicht als Gesprächspartner zur Problembewältigung der Ehekrise genutzt werden. Zudem sind unsere Kinder nicht unsere Freunde, mit denen wir über unsere Probleme sprechen. Es ist nicht Kindersache, detailliertes über die Situation des Paares zu hören. A1lerdings ist es sehr gut möglich, dem Kind / Jugendlichen zu sagen: "Wir haben momentan Probleme miteinander, wir sind bemüht, diese so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen." Auf diese Weise vermitteln wir dem Kind, dass Krisen zum Leben dazugehören, jedoch keine Bedrohung darstellen und an der Lösung gearbeitet wird. Insofern kann es auch für das Kind wichtig sein zu erfahren, wenn die Krise überstanden ist.

Die Paare sagen, sie haben sich auseinander gelebt. Manchmal hat sich ein Partner in einen anderen verliebt. Es gibt keine gemeinsamen Ziele mehr. Sie sind sich fremd geworden, Es gibt Probleme in der Sexualität, Schwierigkeiten in der Kommunikation, manchmal ist auch Suchtverhalten ein Grund.

Sind das aus Ihrer Sicht die tatsächlichen Gründe oder verbirgt sich dahinter etwas anderes?

Die oben genannten Gründe sind natürlich Probleme innerhalb der Beziehung, die letztlich auch zu einer Trennung führen können. Fehlende Kommunikation ist nach meiner Erfahrung für die meisten Probleme das Grundfibel. Viele Paare sprechen extrem wenig miteinander. Der tägliche Ablauf wird häufig noch besprochen. Wobei es einige Paare gibt, die mir erzählen, dass sie die Termine des Partners oder der Familie nur aus einem gemeinsamen Kalender erfahren und nicht im Gespräch miteinander. Über Gefühle, Wünsche, Bedürfnisse, Ärger oder gar Sexualität wird häufig gar nicht gesprochen. Dadurch kommt es zu Missverständnissen, Verletzungen und zum Auseinanderleben. Diese fehlende Kommunikation wird als Akt der Lieb und Wertlosigkeit empfunden.

Tun sich "altgediente" Ehepaare schwerer in der Auseinandersetzung als junge?

Manche Verhaltensweisen haben sich über viele Jahre eingespielt. Diese abzulegen und etwas Neues auszuprobieren, kann verständlicher Weise schwer fallen. Ein Paar, das 20 Jahre nicht über sich, Probleme und Gefühle im Gespräch war, hat es erst einmal schwerer in der Auseinandersetzung miteinander. Jedoch mache ich in meinen Sitzungen häufig großartige Erfahrungen. Mir wird immer wieder deutlich, dass Veränderungen zu jeder Zeit, in jedem Alter möglich sind, so fern sie wirklich gewünscht sind.

Wie können es Paare schaffen, dass ihre Beziehung trotz des Alltags gar nicht erst in die Schieflagegerät? Können Sie ein paar handfeste Tips geben?

  1. Zeit für Gespräche, die über das Alltagsgeschäft hinausgehen.
  2. Auch junge Eltern sollten sich von Anfang an unbedingt Auszeiten für sich als Paar nehmen. Sie sind nicht nur Eltern, sondern eben auch noch ein Paar. Geht es dem Paar gut hat das sofort positive Wirkung auf die Kinder.
  3. Den Blick auf das Positive lenken. Woran kann ich mich an meinem Partner erfreuen?
  4. Was gefallt mir an ihm? Was finde ich liebens- und schätzenswert. Allzu oft wird der Blick nur noch auf das Negative, das Nervige am Partner gerichtet.
  5. Schöne Erlebnisse miteinander schaffen, diese erleichtern ungemein den Alltag und helfen auch über Durststrecken hinweg.
  6. Gemeinsame Ziele entwickeln.
  7. Akzeptieren, dass mein Partner anders ist als ich, nicht besser und auch nicht schlechter, einfach nur anders.
  8. Den Partner auch seinen eigenen Interessen nachgehen lassen.

Was kann das Paar tun, wenn es erkennt, dass es nach 20 Jahren Ehe in der Krise steckt?

Sich deutlich machen, was zur Krise geführt hat und natürlich nach Möglichkeit die Missstände abschaffen. Dabei ist es hilfreich, den Blick nach vom zu richten, statt in gegenseitigen Vorhaltungen zu verharren. Hilfe von außen hinzuziehen, zum Beispiel Gespräche mit den engsten Freunden oder eine Eheberatung.

Wann ist eine Eheberatung angebracht?

Wenn sich das Paar im Kreis dreht, das heißt, wenn es in gegenseitigen Vorhaltungen und Erwartungen verharrt.

In welcher Weise kann eine Eheberatung helfen?

Der Paartherapeut guckt neutral auf das Problem. Dadurch kann er andere Ideen und Sichtweisen in das Gespräch mit einfließen lassen, als es dem Paar möglich ist. Viele Paare sprechen in der Eheberatung das erste Mal über Tabuthemen hier vor allem über Sexualität. Der Paartherapeut dient dem Paar als Moderator, so dass eine hilfreiche Kommunikation zwischen dem Paar entstehen kann. Die Gefahr der gegenseitigen Verletzungen ist geringer. So ist es ihm auch möglich, den Blick auf Ressourcen zu lenken, was dem Paar häufig sehr schwer Fällt.

Ich kann gut verstehen, dass Sie sich Sorgen machen. Sie beschreiben Ihre Tochter einerseits als intelligent, engagiert und beliebt. Ein großartiges Potential. Aber auf der anderen Seite zeigt sie Verhaltensweisen, die Sie unsicher und nachdenklich machen. Ich denke, dass Ihre Tochter sehr hohe Ansprüche an sich selbst stellt.

Die Verachtung, die sie Menschen gegenüber zeigt, die nicht ihren Ansprüchen genügen, kann eine gewisse Verachtung und Unsicherheit sich selbst gegenüber bedeuten. Sie wird sich wahrscheinlich wenige Schwächen erlauben oder sich wertlos fühlen, wenn sie ihre eigenen Schwächen, Ängste, Unzulänglichkeiten spürt. All das, was Menschen in ihrem Gegenüber ablehnen, stark bekämpfen oder gar hassen, sind sogenannte blinde Flecken in ihnen selbst. Diese projizieren sie auf ihr Gegenüber und "bekämpfen" damit eigene, zum Teil nicht erkannte Bereiche, Eigenschaften und Gefühle.

Dies findet häufig unbewusst statt. Die Lösung dessen ist, sich selbst kennen zu lernen und anzunehmen. Damit sind wir unser Leben lang beschäftigt, es ist ein ein immer währender Prozess. Auf Grund der Verhaltensweisen, die Sie beschreiben, vermute ich, dass Ihre Tochter nicht glücklich und zufrieden mit sich ist. Vielleicht fühlt sie sich nur dann geliebt und wertvoll, wenn sie entsprechende Leistungen zeigt? Was wird in Ihrer Familie als wichtig und wertvoll erachtet? In dem Wort "Verachtung" steckt "Achtung". Ein achtungsvoller, achtsamer Umgang miteinander, heißt zum Beispiel aufmerksam, zugewandt, wertschätzend und liebevoll miteinander um zugehen. Einander wahrzunehmen in dem, was jeden Einzelnen ausmacht, bedeutet auch, unterschiedliche Denkweisen zu akzeptieren und zu schätzen. Das fällt uns in aller Regel sehr schwer, weil wir Unterschiede häufig als verletzend und trennend erleben beziehungsweise sehr schnell mit Wertungen wie "gut" und "schlecht" hantieren. Durch unsere Kinder erhalten wir immer wieder die Chance, uns und unser eigenes Wertesystem zu überprüfen.